Naturschutz und eine wärmer werdende Welt – Das Klima mit Naturschutz schützen

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Wir wollen diesen Beitrag damit beginnen, uns den Zusammenhang zwischen Naturschutz und Klimawandel anzuschauen.

Es ist ein recht einfacher Mechanismus. Bäume, Büsche, Wiesen, Feuchtgebiete, Flüsse und so weiter, saugen atmosphärischen Kohlenstoff auf und speichern ihn.

Wir alle wissen, wie Photosynthese funktioniert: Pflanzen nehmen Kohlendioxid (CO2) auf und produzieren damit Fructose und Sauerstoff.

Naturschutz ist derselbe Prozess, nur in etwas größerem Umfang. Wenn Wälder und Wiesen geschützt oder aus entwickelten Regionen kultiviert werden, dann wird CO2 im Pflanzenmaterial gespeichert.

Kühl bleiben – wie Wald und Graslandschaften den Klimawandel beeinflussen

Es kann nahezu unbegreiflich erscheinen, dass etwas so Schlichtes wie die Erhaltung von Grasebenen unser globales Klima beeinflusst. Tatsächlich beeinflusst es uns mehr als wir annehmen.

Kürzlich wurde im Journal Quaternary Science Reviews ein Artikel über einige recht überraschende Auswirkungen der Entdeckung Amerikas veröffentlicht. Es ist seit langem bekannt, dass bei der Ansiedlung von Europäern auf den amerikanischen Kontinenten über 60 Millionen Menschen (dies entspricht in etwa 10% der damaligen Weltbevölkerung) durch Kriege bzw. Kampfhandlungen, Masern, Pocken sowie infolge des Zusammenbruch der Gesellschaft starben.

Nun gibt es Beweise dafür, dass der Tod von 60 Millionen Menschen im 16. Jahrhundert die sogenannte Kleine Eiszeit verursachte. Es war eine Zeit, in der Europa außergewöhnlich kalt war und die Themse in London im Winter zufror.
Bildunterschrift: The Fair on the Thames, February 4th, 1814, by Luke Clenell. Credit: Wiki Commons

Es mag verrückt klingen, doch die Abwesenheit der 60 Millionen Ureinwohner bedeutete, dass die Gebiete, die durch Anbau sowie Ausbreitung der Zivilisationen vor Kolumbus gerodet worden waren, von der Natur zurückerobert wurden.

Dieser Neubewuchs war ausreichend, um so viel CO2 aus der Atmosphäre abzusaugen, dass der globale Kohlenstoffgehalt in der Atmosphäre um 7–10 ppm sank und eine weltweite Abkühlung die Folge war. Die Einheit ppm bezieht sich auf Teilchen pro Million und ist ein Begriff, der die Volumenmenge von Gas in der Luft anzeigt. Wenn Dir das bekannt vorkommt, dann liegt das daran, dass wir ppm oftmals verwenden, um zu messen, wie viel durch den Menschen verursachter Kohlenstoff der Atmosphäre zugeführt wird. Im Jahr 2015 haben wir den Level von 400 ppm überschritten.

Dieser Wert ist von entscheidender Bedeutung, denn 400 ppm ist die Menge an atmosphärischem Kohlenstoff, welche die Welt über die Schwelle von 1,5 ° C treibt. Dies bedeutet, dass die Welt voraussichtlich um 1,5 ° C heißer werden wird als während der Zeit vor der Industrialisierung.

Ein wenig Naturschutz schadet niemandem – unsichtbare Auswirkungen des Naturschutzes

Den atmosphärischen Kohlenstoffgehalt zu senken ist für die Gesundheit unseres Planeten sowie die Aufrechterhaltung eines stabilen Klimas entscheidend. Selbstverständlich sollten wir die Völkermorde der Geschichte keineswegs wiederholen. Vielmehr sollten wir aus der Vergangenheit lernen, dass wir globale Konsequenzen erleiden werden, wenn wir Naturlandschaften weiterhin roden.

Es ist von hoher Wichtigkeit, unser Klima in einer gesunden Temperaturlage zu halten, indem die Natur CO2 absorbiert und speichert.

Wie sich allerdings zeigt, hat die Erhaltung von Naturlandschaften weitaus mehr und zudem unsichtbare Auswirkungen. Neben der Vorbeugung der Klimaveränderungen gehört die Sicherung der biologischen Vielfalt zu den wichtigsten Folgeerscheinungen des Naturschutzes. Weltweit erleben wir eine Biodiversitätskrise, in welcher die Populationen nahezu sämtlicher Tierarten stark zurückgehen. Seit den 1970er Jahren sind über 60% der Welttierpopulationen infolge menschlichen Handelns verschwunden.

In Nordamerika ist über ein Drittel sämtlicher Vogelarten vom Aussterben bedroht. Laut des Endangered Species Committee der American Fisheries Society sind 40% der Süßwasserfischarten in Nordamerika gefährdet oder sogar schon ausgestorben. Zudem sind 47 Arten von Hummeln in Nordamerika vom Aussterben bedroht. Von Amphibien, Insekten oder Säugetieren haben wir hier noch gar nicht gesprochen.

Doch nicht nur das Tierreich muss starke Verluste verzeichnen. Die IUCN (Internationale Weltnaturschutzunion) schreibt in ihrem Bericht aus dem Jahr 2014, dass über 75% der genetischen Vielfalt landwirtschaftlicher Nutzpflanzen verloren gegangen sind.

Dies an sich ist bereits tragisch, doch der drastische Verlust von biologischer Vielfalt hat dazu noch gravierende monetäre Auswirkungen. Der Begriff Ökosystemleistungen bezeichnet die Leistungen, die wir von der Natur beziehen, und diese werden oftmals nicht berücksichtigt. Hierzu gehören Wasseraufbereitung, Bestäubung von Anbaupflanzen, Absorption von Umweltverschmutzung und noch vieles mehr.

Laut der Internationalen Weltnaturschutzunion (IUCN) belaufen sich diese weltweiten Ökosystemleistungen derzeit auf 33 Billionen USD jährlich. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt der USA belief sich im Jahr 2017 auf 19,39 Billionen USD. Naturschutz sichert diese Ökosystemleistungen und trägt damit zur Erhaltung einer gesunden biologischen Vielfalt bei.

Doch warte, es gibt noch mehr.

Naturschutz schafft zudem regionale Arbeitsplätze, sowohl in der Forstwirtschaft, als auch im regionalen Tourismus in der Nähe von Grünanlagen.

Überdies hat es gesundheitliche Vorteile, wenn man Zeit in der Natur verbringt. Eine Studie von 2016, die vom Institut für Europäische Umweltpolitik geleitet wurde, hat belegt, dass der Schutz von Naturgebieten sowie grüner Infrastruktur zur Verbesserung der Luftqualität, zur Kühlung von Städten und Landflächen, zur Reduzierung von Lärm, zu Bewegungs- und Erholungsmöglichkeiten und vielem mehr beitragen kann.
Seit 2018 verschreiben schottische Ärzte ihren Patienten sogar mehr Zeit in der Natur, um auf diese Weise psychische Gesundheitsprobleme wie beispielsweise Depressionen, Angstzustände, Müdigkeit und vieles mehr zu behandeln.

Prävention und Schutz – Wenn du dich um die Natur kümmerst, kümmert sich die Natur um Dich

Wir haben noch immer nicht sämtliche Vorteile des Naturschutzes besprochen.

Naturschutz wird oft gleichzeitig als Abschwächung des Klimawandels und als Klimaschutz betrachtet. Das bedeutet, dass die Ausgaben für Naturschutz die erforderlichen Mittel für den Klimaschutz verringern, wie beispielsweise Schutzmaßnahmen gegen Überflutungen und Hochwasser, Stürme und Dürren.

„Ökosysteme tragen nicht nur zur Milderung des Klimawandels bei, sondern unterstützen zudem die Widerstandsfähigkeit und Anpassung des Klimas. Beispielsweise haben Feuchtgebiete dazu beigetragen, während des Hurrikans Sandy im Jahr 2012 unmittelbare Hochwasserschäden in Höhe von über 600 Millionen US-Dollar zu vermeiden. Es wird geschätzt, dass Küstenfeuchtgebiete in den USA jährlich Sturmschutzdienste im Höhe von 23 Milliarden US-Dollar leisten.“

– Die Internationale Union für Naturschutz (IUCN)

Im Großen und Ganzen hat der Naturschutz ausreichend Geldwert, um ein guter Deal zu sein, selbst wenn wir seine Vorteile für den Klimawandel und die atemberaubende Schönheit der Natur ignorieren.

Naturschutz – die Wunderdroge für die Klimaschutzprävention?

Wenngleich Naturschutz bis zu 30 Prozent der zur Erderwärmungsbegrenzung auf 1,5 ° C erforderlichen Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels beitragen kann, ist es wichtig zu beachten, dass es sich nicht um ein Allheilmittel handelt. Erinnerst du dich an die Reduzierung des atmosphärischen Kohlenstoffs um 7–10 ppm, was die Kleine Eiszeit zur Folge hatte? Verursacht wurde sie durch die Wiederaufforstung eines Gebietes in der Größe Frankreichs. Selbst wenn wir uns erneut zu einem Wiederaufforstungsprojekt dieser Größenordnung bereiterklären würden, muss dabei beachtet werden, dass wir momentan die entsprechenden 3 ppm jährlich in die Atmosphäre abgeben. Und das wiederum bedeutet, dass wir unsere CO2-Effekte lediglich für zwei bis drei Jahre unterbrechen würden.

Doch bekämpfen Wiederaufforstung und Naturschutz nachweislich den Klimawandel, schützen und schaffen Lebensräume für die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und wirken zugleich präventiv als Klimaschutz.

Es ist eine kostengünstige Möglichkeit viel Gutes zu tun, und sollte zweifelsohne Teil der zahlreichen Initiativen sein, die wir ergreifen, um dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Wenn du den Schutz der Natur und die Wiederaufforstung unterstützen möchtest, kannst du einen Teil deines Kohlenstoffs mit unseren erschwinglichen Ausgleichsplänen wieder gutmachen. Unser Programm konzentriert sich auf die Erhaltung und Wiederaufforstung durch das American Carbon Registry sowie das Climate Action Registry.